Risse, Schüsselung und Fugenausbrüche im Hallenboden: Ursachen, Bewertung und Instandsetzung
Risse gehören zur Bauart Beton und sind nicht von selbst ein Mangel. Entscheidend ist, was vereinbart war und ob ein Riss Befahrbarkeit, Dichtheit, Dauerhaftigkeit oder Tragfähigkeit beeinträchtigt. Schüsselung, das Aufwölben der Plattenränder durch ungleiches Schwinden, ist eine zeitabhängige Verformung, die DIN 18202 nicht erfasst. Fugenausbrüche entstehen meist an ungeschützten oder hohlliegenden Kanten unter Staplerverkehr. Vor jeder Instandsetzung stehen Rissaufnahme, Ursache und das Ziel der Maßnahme.
Fragen zu Rissen im Hallenboden beginnen oft mit einem Foto und dem Hinweis, die Platte sei erst wenige Tage alt. In Foren folgen Diagnosen ohne Messung: Schwindriss, Sinterschicht, Pfusch. Dieser Beitrag ordnet Befunde nach Ursache und Zeitpunkt, nennt die Regelwerke für Rissbreiten und zeigt Bewertung und Instandsetzung.
Kennzeichnung: „Gesetz“ und „Regelwerk“ stehen für BGB, VOB/B, Normen und Richtlinien. „Fachliche Praxis“ steht für Merkblätter und Verbandsempfehlungen. „Unsere Arbeitsweise“ beschreibt unser eigenes Vorgehen. Rechtliche Bewertungen nehmen wir nicht vor.
Warum Hallenböden reißen
Beton hat eine hohe Druck- und eine geringe Zugfestigkeit. Im Hallenboden entstehen Zugspannungen aus Schwinden, Temperatur, Lasten und behinderter Verformung, dem Zwang. Übersteigen sie die Zugfestigkeit, reißt der Beton.
Fachliche Praxis: Das DBV-Merkblatt „Begrenzung der Rissbildung im Stahlbeton- und Spannbetonbau“ (Fassung Mai 2016) nennt Risse eine typische, die Bauart kennzeichnende Erscheinung. Sie beeinträchtigen danach Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit nicht, wenn sie ausreichend verteilt und in der Breite auf unschädliche Werte begrenzt sind. Nach der Arbeitshilfe 42.1 von bauforumstahl kann eine übliche Stab- oder Mattenbewehrung Risse nicht verhindern. Bewehrung und Stahlfasern verteilen Risse und begrenzen ihre Breite.
Fachliche Praxis: Das DBV-Merkblatt „Industrieböden aus Beton“ (Fassung Februar 2017) behandelt Böden ohne tragende oder aussteifende Funktion, die durch Bewegungsfugen von tragenden Bauteilen entkoppelt sind. Für sie gelten nach dem Merkblatt die bauordnungsrechtlichen Anforderungen nicht. Welche Rissbildung zulässig ist, bestimmt deshalb vor allem der Vertrag. Zur Planung der Platte siehe Bodenplatte einer Halle planen.
Rissursachen nach dem Zeitpunkt der Entstehung
Der Zeitpunkt, zu dem ein Riss erscheint, grenzt die Ursache ein. So ordnet das Zement-Merkblatt B 18 „Risse im Beton“ (InformationsZentrum Beton, Stand Februar 2020):
| Zeitpunkt | Ursache nach Merkblatt | Typischer Befund im Hallenboden |
|---|---|---|
| erste Stunden | Setzen des Frischbetons, Frühschwinden durch Austrocknen der Oberfläche | flache Netzrisse bei Zugluft oder fehlender Abdeckung |
| erste Tage | Abfließen der Hydratationswärme | Risse quer zu Betonierbahnen, Risse neben spät geschnittenen Scheinfugen |
| Wochen bis Monate | Trocknungsschwinden | Risse an Stützen, Fundamenten und einspringenden Ecken; Schüsselung |
| jederzeit | Temperatur, Lasten, Setzungen | Lastrisse unter Regalfüßen, Setzungsrisse über verfüllten Leitungsgräben |
| nach Jahren | Korrosion der Bewehrung | Abplatzungen an Rissen, etwa an Toren mit Tausalzeintrag |
Spalten 1 und 2 nach Zement-Merkblatt B 18, Tafel 1; Spalte 3 nach unserer Praxis. Als Faustregel nennt das Merkblatt oberflächennahe Risse bei jungem Beton, wenn Kern und Schale mehr als 20 K auseinanderliegen.
Ursachen, die im Hallenboden oft zusammenkommen
- Nachbehandlung: Frühschwinden lässt sich nach dem Zement-Merkblatt durch frühzeitige und gute Nachbehandlung vermeiden.
- Zwang und Reibung: Die Arbeitshilfe von bauforumstahl empfiehlt bei großen Flächen eine Gleitschicht, zum Beispiel 2 Lagen PE-Folie mit mindestens 0,2 mm. An Wänden, Stützen, Schächten und Fundamenten sind Raumfugen nötig.
- Fugenabstand und Feldform: Als Anhaltswert für unbewehrte Platten nennt sie höchstens die 30-fache Plattendicke, gedrungene Felder mit einem Seitenverhältnis bis 1,5 und keine einspringenden Ecken.
- Fugenschnitt: Scheinfugen werden danach frühzeitig bis zu einem Drittel der Plattendicke geschnitten. Kommt der Schnitt zu spät, reißt die Platte daneben.
- Bettung: Überbaute Grundleitungen und nachverfüllte Arbeitsräume nennt die Arbeitshilfe als kritische Bereiche.
- Lasten und Witterung: Für Gabelstapler nennt sie Einzellasten von 10 bis 170 kN. Ihre Anhaltswerte zur Plattendicke setzen einen Einbau in der geschlossenen Halle voraus.
Schüsselung: wenn sich Plattenränder aufwölben
Schüsselung heißt, dass sich Ränder und Ecken einer Betonplatte nach oben wölben. Nach dem US-Transportbetonverband NRMCA liegt die Ursache vor allem in Feuchte- und Temperaturunterschieden zwischen Ober- und Unterseite. Die Oberseite trocknet und schwindet stärker als die feuchte Unterseite. Dünne Platten und große Fugenabstände verstärken das. Mit dem Alter geht die Verformung zurück, wenn sich Feuchte und Temperatur im Querschnitt angleichen.
Folgen im Betrieb: An den Rändern liegt die Platte hohl und kann unter Last reißen. Harte Staplerräder schlagen auf die Kanten, die dann ausbrechen. In Schmalganglagern ändert sich die Ebenheit der Fahrspuren, siehe Ebenheit im Schmalgang- und Hochregallager.
Regelwerk: DIN 18202 erfasst zeitabhängige Verformungen nicht. Eine Messung kurz nach der Herstellung kann eingehalten sein, obwohl sich Monate später Ränder heben. Wir messen deshalb mit Datum und vor der Abnahme erneut.
Fachliche Praxis: Zur Vorbeugung nennt NRMCA wenig Anmachwasser, gute Nachbehandlung, begrenzte Fugenabstände und Bewehrung im oberen Plattendrittel. Sein Fugenabstand von höchstens der 24-fachen Dicke weicht vom deutschen Anhaltswert ab; im Projekt gilt der Fugenplan. Zur Instandsetzung beschreibt NRMCA das Schleifen der Fugenbereiche und das Unterpressen, also das Verfüllen der Hohlräume unter der Platte.
Unsere Arbeitsweise: Wir nehmen die Höhen von Rändern und Ecken zu mehreren Zeitpunkten auf und orten Hohllagen. Instandgesetzt wird, wenn die Verformung abklingt. Sonst schleift man Ränder ab, die sich später wieder setzen.
Zementestrich: Estriche auf Dämm- oder Trennschicht schüsseln aus demselben Grund, oft an Raumecken. Ob das ein Mangel ist, hängt davon ab, ob der Estrich zum vereinbarten Zeitpunkt eben und belegreif ist. Wer auf einem noch verformten Estrich Fliesen verlegt, verlagert das Problem in den Belag.
Fugenausbrüche und Fugenkanten
Fugen öffnen sich durch Schwinden über Monate, und in Fahrwegen wird jede Kante bei jeder Überfahrt belastet. Typische Ursachen für Ausbrüche:
- ungeschützte Kanten; NRMCA nennt harte Staplerräder als Ursache für Fugenschäden,
- hohlliegende Ränder durch Schüsselung,
- fehlende Querkraftübertragung; bauforumstahl verlangt sie, etwa durch Verdübelung, bei befahrenen Raumfugen, Scheinfugen mit Feldlängen über 6 m, Einzellasten über 40 kN und Pressfugen,
- abgerissene, zu früh eingebrachte oder fehlende Fugenfüllung,
- Höhenversatz an Fugenprofilen.
Für hoch belastete Kanten nennt die Arbeitshilfe Abfasen oder Kantenschutzprofile. Fachliche Praxis bei der Instandsetzung: Ausgebrochene Bereiche werden gerade aufgeschnitten, gereinigt und mit befahrbarem Reaktionsharz- oder Instandsetzungsmörtel neu profiliert, danach wird die Fuge neu geschnitten und gefüllt. Liegt die Platte hohl oder fehlt die Querkraftübertragung, wird zuerst diese Ursache behoben.
Rissarten und Rissbreiten in den Regelwerken
Das Zement-Merkblatt B 18 unterscheidet oberflächennahe Netzrisse von wenigen Zentimetern Tiefe, Trennrisse durch den ganzen Querschnitt und Biegerisse vom Zugrand bis etwa zur Nulllinie. Im Hallenboden zählen Trennrisse für Dichtheit und Befahrbarkeit, oberflächennahe Risse oft nur für das Erscheinungsbild.
| Regelwerk | Wofür es gilt | Aussage zur Rissbreite |
|---|---|---|
| DIN EN 1992-1-1 mit Nationalem Anhang, Tabelle 7.1DE | Bemessung tragender Stahlbetonbauteile | Rechenwert 0,4 mm bei X0 und XC1; 0,3 mm bei XC2 bis XC4, XD1 bis XD3 und XS1 bis XS3; bei XD3 gegebenenfalls besondere Maßnahmen |
| DAfStb-Richtlinie Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton, Ausgabe Dezember 2017 | Bauteile, die wasserundurchlässig sein müssen | Entwurfsgrundsatz a: Trennrisse vermeiden; b: Trennrissbreiten für Selbstheilung festlegen; c: Trennrisse zulassen und planmäßig abdichten. Rechenwerte je nach Druckgefälle und Nutzungsklasse 0,10 bis 0,20 mm |
| DBV-Merkblatt Industrieböden aus Beton, Februar 2017 | nicht tragende Industrieböden | Anforderungen an die Rissbildung (Abschnitt 3.3) und Entwurfsgrundsätze (5.2) werden projektbezogen festgelegt |
| Bauvertrag | jede Ausführung | vereinbarte Werte und Erscheinungsbild gehen vor |
Werte zu Eurocode 2 und WU-Richtlinie nach Zement-Merkblatt B 18, Tafel 3; Entwurfsgrundsätze nach Baunetz Wissen. Maßgeblich sind die Originaltexte.
Rechenwert und Messwert: Die Werte von Eurocode und WU-Richtlinie sind Rechenwerte der Bemessung. Eine einzelne gemessene Rissbreite ist mit ihnen nicht unmittelbar gleichzusetzen. Wie am Bauwerk gemessen und ausgewertet wird, beschreibt Anhang A1 des DBV-Merkblatts zur Rissbildung.
WU-Bodenplatten: Nutzungsklasse, Beanspruchungsklasse und Entwurfsgrundsatz werden zu Beginn der Planung festgelegt und dokumentiert. In Nutzungsklasse A sind keine Feuchtstellen zulässig, in Nutzungsklasse B Feuchtstellen, aber kein Ablaufen oder Tropfen. Grundsatz b setzt auf Selbstheilung, vor allem in Nutzungsklasse B; das Zement-Merkblatt B 18 nennt 0,20 mm auch für Nutzungsklasse A bei Bodenfeuchte. In Hallen betrifft das etwa Platten im Grundwasser, Gruben und Unterflurkanäle. Für Flächen nach AwSV siehe AwSV-Flächen nach TRwS 786.
Stahlfaserbeton und fugenarme Böden: Auch bei wenigen Fugen bleibt das Schwinden. Der Entwurf legt fest, wo Risse zugelassen sind, wie breit sie rechnerisch werden und wie sie behandelt werden. Das DBV-Merkblatt Industrieböden hat dafür einen Abschnitt zur Bemessung stahlfaserbewehrter Böden (7.3.5). Fehlt die Festlegung im Vertrag, ist später jeder Riss strittig.
Risse aufnehmen und bewerten
Ein Foto genügt für eine Bewertung nicht. Nach Zement-Merkblatt B 18 und unserer Arbeitsweise gehören zur Rissaufnahme:
- Lage im Plan, Länge, Verlauf und Bezug zu Fugen, Stützen und Betonierbahnen,
- Breite mit Rissbreitenvergleichsmaßstab (Auflösung 0,05 mm) oder beleuchteter Risslupe (bis 0,01 mm),
- Datum, Uhrzeit, Wetter und Bauteiltemperatur, weil sich die Rissbreite mit der Temperatur ändert,
- Höhenversatz, Kantenausbrüche und Feuchte: trocken, feucht oder wasserführend,
- Bewegung mit Gipsmarken oder, genauer, mit Messuhren oder induktiven Wegaufnehmern,
- Betonlieferscheine, Nachbehandlungsprotokolle, Fugenplan wie ausgeführt, Verdichtungsnachweise.
| Kriterium | Prüffrage | Einordnung |
|---|---|---|
| Erscheinungsbild | Ist eine Optik vereinbart, etwa für Ausstellungsflächen? | feine, ruhende Risse sind oft nur optisch |
| Befahrbarkeit | Riss in der Fahrspur, mit Versatz oder Kantenausbruch? | in Fahrwegen kritisch |
| Dichtheit | Muss der Boden dicht sein, nach WU-Konzept, AwSV oder aus Hygienegründen? | Trennrisse bis zum Nachweis als Schaden behandeln |
| Dauerhaftigkeit | Chloride, Taumittel, chemischer Angriff, Betondeckung? | nach Zement-Merkblatt zählt auch Dicke und Dichte der Betondeckung |
| Tragfähigkeit | Rissbild aus Überlastung oder Setzung? | Tragwerksplanung einbinden |
| Entwicklung | Ruht der Riss oder arbeitet er? | bestimmt Zeitpunkt und Füllstoff |
Einordnung nach unserer Arbeitsweise. Nach dem Zement-Merkblatt beurteilt ein qualifizierter Fachmann, bei vorgesehener Instandsetzung ein sachkundiger Planer, Ursache und Behandlung; wichtig ist, ob die Überbeanspruchung einmalig war oder wiederkehrt. Das DBV-Merkblatt Industrieböden behandelt die Beurteilung in Abschnitt 10.
Unsere Bauingenieure nehmen Risse, Fugen und Verformungen auf, ordnen sie Ursache und Vertrag zu und beschreiben Instandsetzungsoptionen.
Bewertung anfragen
Instandsetzung: füllen, abdichten, Kanten erneuern
Vor dem Verfahren steht das Ziel: schließen, abdichten, kraftschlüssig verbinden oder Kanten schützen. Das Zement-Merkblatt B 18 unterscheidet drucklose Tränkung und Verpressung unter Druck sowie dehnfähige und kraftschlüssige Verbindungen. Als Füllstoffe nennt es Epoxidharz (EP), Polyurethanharz (PUR), Zementleim (ZL) und Zementsuspension (ZS).
| Verfahren | Wirkung | Typischer Einsatz | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Tränken, oft Verharzen genannt | Füllstoff dringt drucklos ein | feine, ruhende Risse in waagerechten Flächen | Riss sauber und trocken; begrenzte Tiefe |
| Verpressen mit EP | kraftschlüssige Verbindung | ruhende Risse, über die Kraft übertragen werden soll | arbeitet der Riss weiter, reißt der Beton daneben |
| Verpressen mit PUR | dehnfähige, abdichtende Füllung | feuchte oder wasserführende Risse | nicht kraftschlüssig |
| Füllen mit ZL oder ZS | mineralische Füllung | breitere Risse, Hohlräume | Verträglichkeit mit dem Untergrund |
| Rissbandage oder rissüberbrückende Beschichtung | Abdichtung an der Oberfläche | Dichtflächen mit arbeitenden Rissen | Verschleiß unter Verkehr |
| Riss zur Fuge ausbilden | Riss wird geschnitten, gefüllt, Kanten geschützt | arbeitende Risse in Fahrwegen | Fugenplan fortschreiben |
| Unterpressen | Hohlräume unter der Platte verfüllen | Schüsselung, Hohllagen | Druck und Hebung kontrollieren |
Wirkung und Füllstoffe nach Zement-Merkblatt B 18, Unterpressen nach NRMCA, Einsatz nach fachlicher Praxis; im Einzelfall entscheiden Instandsetzungsplanung und Herstellerangaben. Injektionsprodukte regelt DIN EN 1504-5.
Regelwerk: Bei nicht tragenden Industrieböden ist die Instandsetzung eine Frage von Vertrag und Technik. Betrifft die Instandsetzung die Standsicherheit eines tragenden oder aussteifenden Bauteils, gilt die Technische Regel Instandhaltung von Betonbauwerken des Deutschen Instituts für Bautechnik, Stand Mai 2020. Sie verlangt die Planung durch einen sachkundigen Planer. Aus unserer Sicht braucht im laufenden Lager jede Maßnahme Sperrbereiche, Aushärtezeiten bis zur Befahrung und eine dokumentierte Abnahme.
Mangel oder hinzunehmen: wie die Frage zu prüfen ist
Gesetz: Nach § 633 Abs. 2 BGB ist ein Werk frei von Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat. Sonst kommt es auf die Eignung für die vorausgesetzte oder gewöhnliche Verwendung und die übliche Beschaffenheit an. In VOB/B-Verträgen nennt § 13 Abs. 1 VOB/B ausdrücklich auch die anerkannten Regeln der Technik. Daraus folgen drei Prüfschritte:
- Was war vereinbart? Leistungsbeschreibung, Pläne, Entwurfsgrundsatz zur Rissbildung, Rissbreiten, Ebenheit, Erscheinungsbild.
- Eignet sich der Boden für die Nutzung? Ein Riss mit Kantenausbruch in der Spur eines Schmalgangstaplers wiegt anders als ein feiner Schwindriss in einer Abstellfläche.
- Entspricht die Ausführung den anerkannten Regeln der Technik? Normen und Merkblätter geben dafür Anhaltspunkte, etwa zu Nachbehandlung, Fugenschnitt und Fugenabstand.
Fachliche Praxis: Ein Riss ist nicht von selbst ein Mangel, weil Beton reißt. Ein rissfreier Boden ist auch nicht von selbst mangelfrei, wenn etwa die Ebenheit fehlt. Das DBV-Merkblatt Industrieböden weist in Abschnitt 2.5 auf technische Grenzen bei der Herstellung hin. Aus unserer Sicht gilt: Wer eine weitgehend rissfreie Fläche braucht, muss sie vereinbaren, planen und bezahlen.
VOB/B und BGB: Manche Befunde gehen auf eine Vorgabe des Bauherrn zurück, etwa auf einen Fugenplan mit zu großen Feldern. Dann kommt es auch darauf an, ob der Unternehmer Bedenken angemeldet hat (§ 4 Abs. 3 und § 13 Abs. 3 VOB/B). Ist die Beseitigung nur mit unverhältnismäßigen Kosten möglich, darf der Unternehmer die Nacherfüllung verweigern (§ 635 Abs. 3 BGB); für VOB/B-Verträge regelt § 13 Abs. 6 VOB/B dann die Minderung.
Befunde vor der Abnahme gehören mit Vorbehalt ins Protokoll, siehe Industrieboden abnehmen und Bauabnahme nach VOB/B. Ob Ansprüche bestehen, klärt Ihre Rechtsanwältin oder Ihr Rechtsanwalt; die technische Bewertung liefert die Grundlage.
Befunde im Überblick: Technik, Vertrag und Kosten
| Befund | Technische Einordnung | Vertragliche Prüffrage | Wirtschaftliche Folge |
|---|---|---|---|
| Netzrisse wenige Tage nach der Betonage | Frühschwinden, oberflächennah | Nachbehandlung vereinbart und dokumentiert? | meist beobachten; Aufwand bei vereinbarter Sichtfläche |
| Trennriss neben einer Scheinfuge | Fugenschnitt zu spät oder zu flach | Ausführungsfehler oder Planungsvorgabe? | Riss als Fuge ausbilden, Kantenschutz |
| aufgewölbte Ränder mit Kantenausbruch | Schüsselung, Hohllage | Ebenheit zum Abnahmezeitpunkt eingehalten? | Schleifen, Unterpressen, Unterbrechung des Betriebs |
| feuchter Trennriss in einer WU-Platte | Dichtheit nach Nutzungsklasse betroffen | WU-Konzept und Dichtmaßnahme festgelegt? | Injektion, Nutzung eingeschränkt bis zum Nachweis |
| Risse in einer AwSV-Fläche | Dichtheit der Fläche betroffen | Anforderungen und Prüfpflichten nach AwSV eingehalten? | Instandsetzung, je nach Anlage durch Fachbetrieb nach § 45 AwSV |
| Risse in einer Bestandshalle vor dem Ankauf | Ursache und Alter unbekannt | Mängelhaftung übertragbar, Fristen offen? | Einpreisen in der Due Diligence, Rückstellung für Instandsetzung |
Die vertragliche Spalte nennt Prüffragen, keine rechtliche Bewertung. Für den Ankauf siehe Technische Due Diligence.
Unsere Rolle und Abgrenzung
Unsere Arbeitsweise: In der gutachterlichen Begleitung und Qualitätssicherung von Industrieböden nehmen unsere Bauingenieure Risse, Fugen und Verformungen auf. Sie werten Unterlagen aus und ordnen die Befunde Ursache und Vertrag zu. Wir beschreiben Instandsetzungsoptionen mit Folgen für Betrieb, Termine und Kosten und begleiten Abnahme und Mängelbeseitigung, in Rhein-Main, an der Bergstraße und in Rhein-Neckar, auch überregional. Prüfzeitpunkte je Gewerk zeigt der Ratgeber Baubegleitende Qualitätskontrolle.
Abgrenzung: Sachkundige Planer im Sinne der Technischen Regel Instandhaltung von Betonbauwerken sind wir nicht; bei tragenden Bauteilen binden wir Tragwerksplanung und einen sachkundigen Planer ein. Die rechtliche Bewertung bleibt bei Ihrer Rechtsanwältin oder Ihrem Rechtsanwalt. In einem Projekt arbeiten wir immer nur für eine Partei. Leistungsumfang und Honorar stehen vor Beginn in einem schriftlichen Angebot.
Häufige Fragen
Feine Risse sind bei Beton häufig und nicht von selbst ein Mangel. Das DBV-Merkblatt zur Begrenzung der Rissbildung nennt Risse im Stahlbetonbau eine typische, die Bauart kennzeichnende Erscheinung. Kritisch sind Risse mit Höhenversatz, Kantenausbruch oder Feuchte und Risse in Flächen, die dicht sein müssen. Lassen Sie Lage, Breite und Zeitpunkt dokumentieren.
Eine allgemeine Grenze gibt es nicht; maßgeblich ist zuerst der Vertrag. Für tragende Stahlbetonbauteile nennt der Nationale Anhang zum Eurocode 2 Rechenwerte von 0,3 oder 0,4 mm. Für wasserundurchlässige Bauteile, die auf Selbstheilung der Trennrisse ausgelegt sind, nennt die WU-Richtlinie Werte zwischen 0,10 und 0,20 mm. Das sind Rechenwerte der Bemessung; einzelne Messwerte sind mit ihnen nicht unmittelbar gleichzusetzen.
Das Aufwölben der Plattenränder, weil die Oberseite stärker austrocknet und schwindet als die Unterseite. Die Ränder liegen dann hohl und können unter Staplerverkehr reißen oder ausbrechen. Die Verformung geht mit der Zeit oft zurück. DIN 18202 erfasst solche zeitabhängigen Verformungen nicht.
Ja. Je nach Ziel werden Risse drucklos getränkt, mit Epoxidharz kraftschlüssig oder mit Polyurethanharz dehnfähig verpresst, mit Zementsuspension gefüllt oder an der Oberfläche überbrückt. Arbeitende Risse in Fahrwegen werden oft wie eine Fuge ausgebildet. Vorher müssen Ursache und Rissbewegung geklärt sein.
Geschützte Kanten oder höhengleiche Fugenprofile in Fahrwegen, Querkraftübertragung an befahrenen Fugen und eine Fugenfüllung zum richtigen Zeitpunkt. Ausgebrochene Kanten werden aufgeschnitten und neu profiliert. Liegt die Platte hohl, muss zuerst das Auflager wiederhergestellt werden.
Doch. Stahlfasern übertragen Kräfte über einen entstandenen Riss und begrenzen so seine Breite. Gerade bei fugenarmen Böden muss der Entwurf festlegen, welche Risse zulässig sind und wie sie behandelt werden.
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Schildern Sie Befund, Alter des Bodens und Nutzung. Wir sehen uns Fotos und Unterlagen an und nennen den sinnvollen nächsten Schritt.