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Altbausanierung Kosten

Moritz Schneider 14. April 2026 7 Min. Lesezeit

Was kostet eine Altbausanierung? Teilsanierungen liegen bei 80 bis 150 EUR/m², Vollsanierungen bei 200 bis 350 EUR/m² und Kernsanierungen bei 350 bis 700 EUR/m². Die drei häufigsten Kostentreiber sind fehlende Schadstoffprüfung, Kalkulation nach Pauschalen und unvollständige Bestandsaufnahme. Dieser Beitrag zeigt Kostenspannen pro Gewerk, typische Fallen und eine Praxis-Checkliste für die Budgetplanung. Er ersetzt keine objektbezogene Fachplanung.

Sanierungstiefen und Kostenbereiche pro m² Wohnfläche

Altbausanierungen kosten zwischen 80-700 EUR/m² Wohnfläche je nach Sanierungstiefe. Teilsanierungen erneuern einzelne Bauteile (Fenster, Heizung) mit minimalen Kosten, Vollsanierungen überarbeiten alle wesentlichen Bauteile nach aktuellem Standard (typisch 200-350 EUR/m²), und Kernsanierungen mit Premium-Standard, Barrierefreiheit oder Speicherung erreichen 350-700 EUR/m². Ein Wirtschaftlichkeitsvergleich mit Neubau empfiehlt sich, wenn Sanierungskosten über 500 EUR/m² steigen.

Stufe 1: Teilsanierung (80-150 EUR/m²)

Umfang: Einzelne Bauteile erneuert (Fenster, Heizung, teilweise Fassade). Ziel: Funktionsfähigkeit. Keine KfW-Standards angestrebt. Typisches Projekt: 100 m² Altbau, Fenster (150 EUR/m² = 15000 EUR), Gasheizung (12000 EUR), Dachfläche-Sanierung (20000 EUR). Summe: 47000 EUR = 470 EUR/m².

Stufe 2: Vollsanierung (200-350 EUR/m²) Umfang: Alle wesentlichen Bauteile (Dach, Fassade, Fenster, Heizung, Sanitär, Elektro, Innenausbau) werden erneuert nach aktuellem Standard. Energetischer Zustand deutlich verbessert. Beispiel 150 m² Altbau: Fassade + WDVS 150 EUR/m² = 22500 EUR, Dach 150 EUR/m² = 22500 EUR, Fenster 120 EUR/m² = 18000 EUR, Heizung 80 EUR/m² = 12000 EUR, Sanitär 100 EUR/m² = 15000 EUR, Elektro 60 EUR/m² = 9000 EUR, Innenausbau 80 EUR/m² = 12000 EUR. Summe: 111000 EUR = 740 EUR/m².

Stufe 3: Kernsanierung (350-700 EUR/m²) Umfang: Wie Vollsanierung, plus Optimierungen: Raumlayout-Verbesserung, barrierefreie Ausstattung (Aufzug, bodengleiche Dusche), hochwertige Materialien, Speicherung/PV-Anlage.

Faustregel: Übersteigt Sanierungskosten 500 EUR/m², sollte Wirtschaftlichkeitsvergleich mit Neubau durchgeführt werden.

Gewerkebezogene Kostenanalyse (Vollsanierung)

Gewerk 1: Dach- und Dachabdichtung (100-250 EUR/m² Dachfläche) Nur Dachabdichtung erneuern: 100-150 EUR/m². Dach-Kompletterneuerung (neue Konstruktion + Eindeckung): 180-250 EUR/m². Kritisch: Asbest-Eternitziegel erfordern Spezial-Entsorgung (+30 EUR/m² extra).

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Gewerk 2: Fassade und WDVS (100-300 EUR/m²) Nur Anstrich: 15-30 EUR/m². Putz-Erneuerung: 40-60 EUR/m². WDVS (Polystyrol/Mineralwolle 100-160 mm, U-Wert max. 0,24): 150-250 EUR/m². Haltbarkeit: 35+ Jahre. KfW oft 20 % Zuschuss.

Gewerk 3: Fenster und Außentüren (100-250 EUR/Element) Kunststoff-Fenster (U-Wert 1,0): 200-350 EUR/Element. Holz-Aluminium (Premium): 400-600 EUR/Element. Außentüren: 600-1500 EUR je Tür.

Gewerk 4: Heizungs- und Warmwasser-Anlage Kosten und Förderfähigkeit hängen stark von Bestand, Technik, Gebäudehülle, Fachplanung und aktuellen Förderbedingungen ab.

Gewerk 5: Sanitär- und Badausstattung (50-150 EUR/m²) Bad-Sanierung (Basis): 5000-8000 EUR pro Bad. Bad-Sanierung (gehobenes Niveau): 12000-20000 EUR. Bodengleiche Dusche: +2000-4000 EUR. Fußbodenheizung: +30-50 EUR/m².

Gewerk 6: Elektroinstallation (40-100 EUR/m²) Elektroinstallation Erneuerung (Standard): 40-60 EUR/m². Kernsanierung (mit Erdung, FI-Schutzschalter): 60-100 EUR/m². Smart-Home-Integration: +20-40 EUR/m².

Gewerk 7: Innenausbau (40-120 EUR/m²) Innenputz + Anstrich: 15-25 EUR/m². Bodenbeläge (Parkett 40-80, Feinsteinzeug 20-50, Laminat 15-30 EUR/m²). Innentüren: 1500-2500 EUR total für 5-8 Türen.

GEG-Anforderungen: praxisrelevante Prüfpunkte

Welche energetischen Anforderungen gelten, richtet sich nach Maßnahmentiefe, Gebäudetyp, Bestandssituation und Übergangsregeln. Deshalb sollten Sanierungsumfang, Nachweise und Zielstandard vor Vergabe mit Energieberatung und Fachplanung abgestimmt werden.

Für Heizung, Gebäudehülle und Anlagentechnik gelten je nach Ausgangslage unterschiedliche Vorgaben und Fristen. Verbindlich sind die jeweils aktuellen gesetzlichen Regelungen sowie die projektbezogene fachliche Einordnung.

§72: Reparatur und Austausch am Einzelbauteil Bei Reparatur eines Daches, einer Fassade oder Fensters müssen Mindestanforderungen erfüllt werden.

Top 3 Fehler bei Altbausanierung

FEHLER 1

Sanierungskosten nach Quadratmeterpreis-Pauschalen kalkulieren

Viele Eigentümer nutzen pauschale EUR/m²-Werte ("Vollsanierung kostet 400 EUR/m²"). Das ist eine grobe Richtlinie, aber nicht mehr. Der tatsächliche Preis hängt stark vom konkreten Zustand ab: Ist schon ein Dach drauf oder muss es neu? Gibt es Asbestbelastung? Sind Rohre schon marode? Pauschalen führen zu massiv falschen Budgets.

FEHLER 2

Schadstoffbelastung (Asbest, KMF, PCB) nicht vorab prüfen

Gebäude vor 1990 können Asbest, Künstliche Mineralfasern oder PCB enthalten. Diese Materialien sind nicht einfach zu entsorgen und können Kosten, Ablauf und Genehmigungen deutlich beeinflussen. Wenn Schadstoffe erst während der Ausführung entdeckt werden, drohen Baustopp, Umplanung und Nachträge. Eine Vorbefundung vor Planung reduziert dieses Risiko deutlich.

FEHLER 3

Ohne systematische Bestandsaufnahme in die Ausführung gehen

Sanierung im Bestand ist nicht wie Neubau. Überraschungen sind nicht nur möglich, sondern systematisch zu erwarten. Wer ohne Bestandscheck losfängt, kalkuliert auf einer unsicheren Grundlage. Eine strukturierte Vorprüfung von Dach, Leitungen, Elektrik, Feuchte und Schadstoffen macht Kostenrisiken früher sichtbar und verbessert die Budgetplanung. Wie Sie Kostenexplosionen im Bauprojekt vermeiden, zeigt unser separater Ratgeber.

Praxis-Checkliste: Sanierungsbudget in 5 Schritten

  1. Schadstoffprüfung durchführen: Professionelle Besichtigung auf Asbest, KMF und PCB. Umfang und Kosten hängen vom Objekt ab. Erkenntnisse direkt in Kostenplanung einarbeiten.
  2. Technische Bestandsaufnahme mit Fachmann: Dacherkundung, Rohre-Status, Elektrik-Kapazität, Feuchte. Diesen Schritt nicht überspringen; er schafft eine belastbarere Kostenbasis.
  3. Sanierungstiefe und -ziel definieren: Teilsanierung (einzelne Bauteile), Vollsanierung (alle Bauteile, Standard-Anforderungen) oder Kernsanierung (Premium-Standard, Barrierefreiheit, Speicherung). Klar machen, welches Ziel wann wirtschaftlich ist.
  4. Förderung vorab recherchieren: Energieberatung, iSFP-Erstellung, KfW-Programme. Frühzeitig abklären, nicht hinterher. Förderbedingungen ändern sich und müssen vor Antragstellung geprüft werden.
  5. Kostenreihenfolge und Budgetpuffer planen: Zuerst Notwendiges (Dach, Heizung, Elektrik), dann Verbesserungen, dann Extras. Puffer von mindestens 20 Prozent für Überraschungen einplanen. Realistische Bauzeit einkalkulieren (6-12 Monate).
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Fördermittel: Stand immer aktuell prüfen

Förderprogramme und Konditionen ändern sich regelmäßig. Für belastbare Entscheidungen sollten Programme, Fristen und technische Mindestanforderungen unmittelbar vor Antragstellung geprüft werden.

In der Praxis lohnt sich ein strukturierter Abgleich aus Sanierungsziel, technischer Machbarkeit, Förderfähigkeit und Finanzierungswirkung. Frühzeitige Abstimmung mit Energieberatung und Finanzierungspartnern reduziert Planungsrisiken.

Einzelmaßnahmen: Förderquoten, technische Mindestanforderungen und Kombinationsmöglichkeiten ändern sich. Verbindlich sind die jeweils aktuellen Programme und Bescheide der zuständigen Förderstellen.

Wirtschaftlichkeitsrechnung: Sanierung vs. Neubau

Vergleichslogik: Sanierung und Neubau sollten nicht nur über Quadratmeterpreise verglichen werden. Relevant sind Grundstückswert, Rückbaukosten, Genehmigungsrisiken, technischer Zustand, energetisches Ziel, Bauzeit, Förderfähigkeit und der Marktwert nach Umsetzung.

Sanierung: Kann wirtschaftlich sein, wenn wesentliche Bauteile erhalten bleiben, die Nutzung passt und technische Risiken früh geklärt sind.

Abriss und Neubau: Kann sinnvoll sein, wenn Tragwerk, Schadstoffe, Grundriss, energetische Anforderungen oder Nutzungskonzept gegen den Bestand sprechen.

Typische Fallen und verborgene Kosten

Falle 1: Sockelfeuchte und Grundfeuchte-Wände (20000-30000 EUR extra) Klassische Behandlung: Injektagen = 400-1600 EUR. Bessere Lösung: Außen-Drainage = 15000-30000 EUR. Aufschlag-Risiko: +0,5-2 % der Bruttobausumme.

Falle 2: Asbest und PCB-Kontamination (5000-50000 EUR extra) Eternit-Dach-Entsorgung: +100-200 EUR/m² (bei 100 m² = +10000-20000 EUR). PCB-Abdichtungen: +3000-8000 EUR. Labor-Analytik: 500-2000 EUR. Aufschlag-Risiko: +1-5 %.

Falle 3: Verrostete oder verkalkte Rohre (15000-30000 EUR extra) Wasser-Leitungen-Ersatz: 15000-30000 EUR. Abwasser-Rohre: 8000-20000 EUR. Aufschlag-Risiko: +1-3 %.

Falle 4: Statische Probleme (20000-200000 EUR extra) Statische Verstärkung: 20000-100000+ EUR. Hausschwamm-Bekämpfung: 5000-50000 EUR. Aufschlag-Risiko: +2-15 % (Project-Killer).

Falle 5: Bauzeitverzögerung (3-4 Monate extra möglich) Sanierung typisch 6-12 Monate. Overraschungen können 2-4 Monate Zusatzzeit verursachen. Zusatzkosten: Baustellensicherung, Kreditkosten. Aufschlag-Risiko: +0,5-1 % pro Monat Verzögerung.

Der iSFP (Individueller Sanierungsfahrplan) als Planungshilfe

Förderprogramme können Energieberatung und Sanierungsfahrpläne unter bestimmten Voraussetzungen bezuschussen. Ein iSFP kann den energetischen Ausgangszustand, sinnvolle Etappen, Kostenrahmen und Förderfähigkeit strukturieren. Förderhöhe und Bedingungen ändern sich; vor Beauftragung sollten aktuelle Programme und Antragsvoraussetzungen geprüft werden.

Checkliste Altbausanierung-Vorbereitung

PRAXISFALL

Ausgangslage: Familie erwirbt 1965er EFH (150 m²) für 420000 EUR. Ölheizung 35 Jahre alt (Ölverbrauch 3000 l/Jahr). Dach: Alterung sichtbar. Fenster: Einfach-Verglasung. Fassade: Putz rissig, keine Dämmung. Ziel: Sanierung zu KfW-70-Standard.

Planung (3 Monate): TDD: Keine Asbest in Dach, PCB in Fenster-Fugen (+5000 EUR), Sockelfeuchte unkritisch, Rohre 50 Jahre alt, teilweise verrostet (Wasserleitungen müssen erneuert werden, +20000 EUR). Überraschungs-Budget Upgrade: +25000 EUR. iSFP-Beratung: 500 EUR -> Empfehlungen: Wärmepumpe + Solar, Fassade-WDVS, Dach, Fenster, Sanitär-Elektro. Sanierungsbudget (Plan): 150000 EUR + Überraschungen 25000 EUR = 175000 EUR.

Finanzierung: KfW-70-Darlehen 150000 EUR + 20 % Zuschuss (30000 EUR) -> netto 120000 EUR zu zahlen. Mit 120000 EUR Eigenkapital finanzierbar.

Umsetzung (12 Monate): Monate 1-2: Rohre ersetzen (20000 EUR). Monate 2-4: Heizung (30000 EUR). Monate 4-8: Dach + Fassade (45000 EUR). Monate 8-10: Fenster + Türen (18000 EUR). Monate 10-12: Innenausbau (27000 EUR).

Endergebnis: Nach der Vorprüfung liegt eine Entscheidungsgrundlage vor: Welche Bauteile sind zwingend zu erneuern, welche Maßnahmen sind optional, welche Förderwege kommen in Betracht und welche Reserven sollten eingeplant werden. Erst daraus entsteht eine belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Häufige Fragen

Das hängt von Objektzustand, Grundstückswert, Rückbaukosten, Genehmigungslage, energetischem Ziel, Bauzeit und Marktwert nach Umsetzung ab. Eine reine Prozent-Faustregel reicht für eine belastbare Entscheidung nicht aus.

Welche Anforderungen greifen, hängt von Art und Umfang der Maßnahme ab. Die energetischen Vorgaben sollten vor Beauftragung mit Energieberatung und Fachplanung abgestimmt werden.

Die Genauigkeit hängt stark von Unterlagenlage, Bauteilzugang und Prüftiefe ab. Frühphasenwerte sind Orientierung; belastbarer werden Kosten nach vertiefter technischer Prüfung und konkreter Ausschreibung.

Förderprogramme ändern sich regelmäßig. Verbindlich sind immer die aktuell veröffentlichten Bedingungen der zuständigen Stellen zum Zeitpunkt der Antragstellung.

Häufig sind es verdeckte Bauschäden, unvollständige Bestandsunterlagen, Schnittstellenprobleme zwischen Gewerken, Terminverschiebungen und unzureichende Budgetpuffer. Diese Risiken sollten vor Start systematisch adressiert werden. Unser Beitrag zum Risikomanagement im Bauprojekt vertieft dieses Thema.

Das hängt von Objektzustand, Grundstückswert, Rückbaukosten, Genehmigungslage, energetischem Ziel, Bauzeit und Marktwert nach Umsetzung ab. Eine reine Prozent-Faustregel reicht für eine belastbare Entscheidung nicht aus.

Sie ist bei älteren Gebäuden häufig ein wichtiger Baustein. Umfang und Kosten hängen vom Objekt ab. Ohne Schadstoff- und Bestandsprüfung bleibt jede Kostenplanung deutlich unsicherer.

Oft ist ein iSFP sinnvoll, wenn energetische Maßnahmen geplant sind. Ob er wirtschaftlich und fördertechnisch passt, hängt vom Objekt, vom Sanierungsziel und von den aktuell gültigen Förderbedingungen ab.

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Hinweis: Schneider Theißing GmbH bietet technische Ingenieurberatung. Steuerliche Einordnung erfolgt durch Ihre Steuerberatung, rechtliche Fragen durch Ihre Rechtsberatung. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Fachberatung.

Moritz Schneider

Moritz Schneider ist Geschäftsführer der Schneider Theißing GmbH. Bauingenieur M.Eng., M.A. Baurecht und Baumanagement, Promotion Dr. rer. oec. (HHL Leipzig Graduate School of Management, laufend). Schwerpunkte Projektsteuerung, Bauüberwachung HOAI LPH 6 bis 9, Nachtragsmanagement, Claim Management und strategische Beratung von Bauunternehmen.

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