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Projektcontrolling und Arbeitsvorbereitung verbinden

Moritz Schneider 16. Mai 2026 9 Min. Lesezeit

Arbeitsvorbereitung liefert die Soll-Werte. Projektcontrolling vergleicht sie mit der Realität. Erst wenn beide Funktionen systematisch zusammenwirken, kann ein Bauunternehmen erkennen, wo Marge verloren geht, wo nachgesteuert werden muss und welche Projekte wirklich profitabel sind. Dieser Artikel zeigt, wie der Datenfluss zwischen AV und Controlling funktioniert und wie ein praxistaugliches Steuerungsformat aussieht.

Warum AV ohne Controlling blind ist

Viele Bau- und Handwerksunternehmen investieren Zeit in die Arbeitsvorbereitung, erfahren aber nie systematisch, ob die Vorbereitung funktioniert hat. Die Kalkulation geht von bestimmten Stunden, Mengen und Abläufen aus. Die AV baut darauf Montagepakete, Terminpläne und Materialbestellungen auf. Aber ohne laufenden Soll-Ist-Abgleich bleibt unklar, ob die geplanten Werte in der Praxis stimmen.

Das Ergebnis: Fehler wiederholen sich von Projekt zu Projekt. Die Kalkulation arbeitet mit veralteten Aufwandswerten. Die AV bereitet Pakete vor, deren Zeitansätze nicht mehr realistisch sind. Und die Geschäftsführung sieht erst in der Jahresbilanz, dass die Margen nicht stimmen.

Projektcontrolling schließt diese Lücke. Es macht die Abweichung zwischen Plan und Realität während der Projektlaufzeit sichtbar, nicht erst danach. Das ermöglicht Gegensteuerung, solange sie noch etwas bewirkt.

Welche Daten fließen wohin

Der Datenfluss zwischen AV und Controlling hat zwei Richtungen:

Von der AV zum Controlling (Soll-Daten)

Die AV liefert die Planwerte, die als Referenz dienen. Dazu gehören kalkulierte Stunden je Montagepaket oder Gewerk, geplante Materialmengen und Bestellwerte, Terminvorgaben mit Meilensteinen, der definierte Leistungsumfang je Abschnitt und identifizierte Nachtragspotenziale mit Bewertung. Diese Soll-Daten müssen projektspezifisch aufbereitet sein, nicht als Gesamtklumpen, sondern nach Arbeitspaketen oder Bauabschnitten gegliedert. Nur dann kann das Controlling die Abweichung dem richtigen Bereich zuordnen.

Von der Ausführung zum Controlling (Ist-Daten)

Während der Ausführung fallen die Ist-Daten an: tatsächlich aufgewendete Stunden je Gewerk, reale Materialverbräuche, tatsächliche Termine und Verzüge, Störungen und Wartezeiten, angezeigte und durchgesetzte Nachträge. Diese Daten kommen aus der Stundenerfassung, dem Bautagesbericht, der Einkaufsabrechnung und der Projektdokumentation. Entscheidend ist, dass sie regelmäßig und strukturiert erfasst werden.

Vom Controlling zurück an AV und Kalkulation

Die dritte Richtung wird am häufigsten vergessen: Das Controlling muss seine Erkenntnisse zurück in die AV und die Kalkulation spielen. Wenn ein Montagepaket regelmäßig 30 Prozent mehr Stunden braucht als kalkuliert, muss das in die Aufwandswerte einfließen. Wenn bestimmte Baustellensituationen immer wieder zu Wartezeiten führen, muss die AV ihre Prüfpunkte anpassen.

Controlling aufbauen, das wirklich steuert

Wir helfen Bau- und Handwerksunternehmen beim Aufbau einer Controllingstruktur, die auf den vorhandenen Daten aufbaut und von Projektleitern eigenständig bedient werden kann.

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Wochensteuerung aufsetzen

Die Wochensteuerung ist das operative Steuerungsformat zwischen Projektleiter und Baustelle. Sie findet idealerweise am Montagmorgen oder Freitagnachmittag statt und dauert maximal 30 Minuten.

Inhalt der Wochensteuerung

Ein wirksames Wochenformat enthält den Abgleich der Ist-Stunden mit den Soll-Stunden der vergangenen Woche, den Terminstatus mit Blick auf die kommende Woche, offene Materialbestellungen und Liefertermine, den Status von Nachträgen und Behinderungen sowie Entscheidungsbedarf oder Eskalationspunkte.

Die Wochensteuerung funktioniert nur, wenn der Projektleiter die Soll-Werte aus der AV kennt. Ohne Planwerte gibt es keinen Vergleich, nur eine Beschreibung des Ist-Zustands. Und das reicht nicht, um gegenzusteuern.

Wer macht was

Der Projektleiter führt die Wochensteuerung durch und pflegt die Ist-Daten. Die AV liefert die Soll-Daten zu Projektbeginn und aktualisiert sie bei Änderungen. Die Bauleitung oder der Polier liefert die Rückmeldung von der Baustelle: tatsächliche Stunden, Störungen, offene Punkte. Die Geschäftsführung bekommt keine Wochendetails, sondern die verdichtete Zusammenfassung im monatlichen Projektblatt.

Monatliches Projektblatt erstellen

Das monatliche Projektblatt ist das Steuerungsinstrument für die Geschäftsführung. Es fasst die Erkenntnisse aus der Wochensteuerung zusammen und verdichtet sie auf die Kennzahlen, die für unternehmerische Entscheidungen relevant sind. Welche Kennzahlen für die Geschäftsführung dabei besonders wichtig sind, haben wir in einem separaten Ratgeber zusammengestellt.

Aufbau eines praxistauglichen Projektblatts

Ein gutes Projektblatt passt auf eine Seite und enthält Projektstammdaten (Auftraggeber, Auftragssumme, Vertragstermine), den Soll-Ist-Vergleich Stunden (kumuliert und Monat), den Kostenstatus mit Prognose (Soll, Ist, Hochrechnung bis Fertigstellung), den Terminstatus mit den nächsten drei Meilensteinen, offene Nachträge mit Summe und Bewertung (durchgesetzt, offen, abgelehnt), den Rechnungsstand mit offenen Forderungen und die wichtigsten Risiken mit Handlungsbedarf.

Die Geschäftsführung sollte in zwei Minuten pro Projekt den Status erfassen können. Wenn das Projektblatt länger als eine Seite ist, wird es nicht gelesen. Wenn es keine klare Bewertung enthält (Ampel oder vergleichbare Einordnung), fehlt die Steuerungswirkung.

Vom Projektblatt zur Entscheidung

Das Projektblatt zeigt nicht nur den Status, sondern den Handlungsbedarf. Wenn die Stunden 20 Prozent über Plan liegen, muss die Ursache geklärt werden. Wenn offene Forderungen seit drei Monaten unbezahlt sind, braucht es Eskalation. Wenn ein Meilenstein verschoben wurde, muss geprüft werden, ob Folgetermine betroffen sind.

Ohne diese Verknüpfung von Daten und Entscheidung bleibt das Controlling ein Berichtswesen ohne Steuerungswirkung.

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Typische Fehler beim Zusammenspiel von AV und Controlling

In der Praxis scheitert das Zusammenspiel häufig an vermeidbaren Fehlern. Die AV liefert keine projektspezifischen Soll-Werte, sondern nur die Gesamtkalkulation als Klumpen. Dann kann das Controlling keine Zuordnung zu Arbeitspaketen machen. Die Stundenerfassung ist unvollständig oder nicht nach Gewerken getrennt. Dann fehlt die Vergleichsbasis. Das Controlling wird nur als Berichtswesen betrieben, nicht als Steuerungsinstrument. Es werden Abweichungen dokumentiert, aber keine Maßnahmen abgeleitet. Die Rückkopplung in die Kalkulation fehlt. Fehlerhafte Aufwandswerte werden nicht korrigiert, sodass die nächsten Projekte mit den gleichen falschen Annahmen kalkuliert werden.

Der häufigste strukturelle Fehler: AV und Controlling werden als getrennte Funktionen betrachtet, die zufällig im gleichen Unternehmen stattfinden. In Wirklichkeit bilden sie einen geschlossenen Regelkreis. Die AV setzt den Plan, das Controlling prüft die Umsetzung, die Erkenntnisse fließen zurück in die nächste AV. Wie dieser Regelkreis konkret aussieht, beschreiben wir auch im Zusammenhang mit der Nachtragsdokumentation im Handwerk, weil Nachträge oft der erste Indikator für Planabweichungen sind.

Wie Schneider Theißing unterstützt

Wir begleiten Bau- und Handwerksunternehmen beim Aufbau einer integrierten Steuerungsstruktur. Das heißt konkret: Analyse der vorhandenen Datenquellen und Prozesse, Definition der Soll-Daten aus der AV für das Controlling, Aufbau eines Wochensteuerungsformats für die Projektleitung, Erstellung eines monatlichen Projektblatts für die Geschäftsführung, Einrichtung der Rückkopplung von Controlling an Kalkulation und AV.

Ziel ist kein zusätzliches Berichtswesen, sondern ein Steuerungsinstrument, das die Projektleiter eigenständig bedienen und die Geschäftsführung für Entscheidungen nutzen kann. Unsere technische und wirtschaftliche Beratung setzt dabei auf praxistaugliche Lösungen statt theoretischer Frameworks.

Häufige Fragen

Arbeitsvorbereitung sorgt dafür, dass ein Projekt vor Montagebeginn vollständig vorbereitet ist: Material, Pläne, Termine, Freigaben. Projektcontrolling vergleicht während der Ausführung die tatsächlichen Werte mit den geplanten Werten und macht Abweichungen sichtbar. Beide Funktionen brauchen einander, weil Controlling ohne AV-Daten keine belastbare Basis hat und AV ohne Controlling keine Rückmeldung bekommt, ob die Vorbereitung funktioniert.
Die AV liefert die Soll-Werte: kalkulierte Stunden je Montagepaket, geplante Materialmengen, Terminvorgaben, Leistungsumfang und Nachtragspotenziale. Diese Soll-Werte sind die Referenz, gegen die das Controlling die Ist-Daten aus der Ausführung vergleicht. Ohne saubere AV-Daten fehlt dem Controlling die Vergleichsbasis.
Nicht zwingend. Ein strukturiertes Projektblatt in Excel mit Soll-Ist-Vergleich für Stunden, Kosten und Termine reicht für den Anfang. Entscheidend ist nicht das Tool, sondern dass die Daten regelmäßig erfasst und ausgewertet werden. Software wird dann sinnvoll, wenn mehrere Projekte gleichzeitig laufen und die manuelle Pflege zu aufwändig wird.
Die Wochensteuerung sollte wöchentlich stattfinden: kurzer Abgleich der Ist-Stunden mit den Soll-Stunden, Terminprüfung und offene Punkte. Das monatliche Projektblatt für die Geschäftsführung fasst die Kernkennzahlen zusammen. Bei kritischen Projekten oder Verzügen kann eine tägliche Steuerung sinnvoll sein.
Ein monatliches Projektblatt enthält: Soll-Ist-Stunden mit Abweichung, Kostenstatus (Soll vs. Ist vs. Prognose), Terminstatus mit kritischen Meilensteinen, offene Nachträge mit Bewertung, Rechnungsstand und offene Forderungen, Risiken und Eskalationspunkte. Alles auf einer Seite, damit die Geschäftsführung in zwei Minuten den Projektstand erfassen kann.
Zuerst die Ursache klären: Liegt die Abweichung an der Kalkulation, an der Arbeitsvorbereitung, an der Baustellensituation oder an Zusatzleistungen? Dann entscheiden, ob nachgesteuert werden muss. Beispiel: Wenn Stunden höher sind als kalkuliert, prüfen ob ein Nachtrag möglich ist, ob die Kalkulation falsch war oder ob die Montage ineffizient läuft.
Das Controlling liefert die Ist-Daten strukturiert an die Nachkalkulation: tatsächliche Stunden je Gewerk, Materialverbräuche, Nachträge, Wartezeiten. Ohne laufendes Controlling müssten diese Daten nach Projektabschluss mühsam rekonstruiert werden. Mit Controlling fließen sie kontinuierlich und sind sofort für die Nachkalkulation verfügbar.
Ja. Wir begleiten Bau- und Handwerksunternehmen beim Aufbau einer praxistauglichen Controllingstruktur. Das beginnt mit der Analyse der vorhandenen Daten und Prozesse, geht über die Einführung eines Wochensteuerungsformats bis zum monatlichen Projektblatt für die Geschäftsführung. Ziel ist ein System, das die Projektleiter eigenständig bedienen können.

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Über den Autor

Moritz Schneider ist Geschäftsführer der Schneider Theißing GmbH und berät Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und Projektentwickler in Fragen der Projektsteuerung, Bauüberwachung und wirtschaftlichen Optimierung.

Hinweis zur Einordnung: Diese Inhalte ersetzen keine projektbezogene Prüfung, Rechtsberatung oder Steuerberatung. Sie strukturieren technische und wirtschaftliche Fragen für die nächste Entscheidung.

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