In vielen Bauunternehmen und Handwerksbetrieben läuft die Materialbestellung nach demselben Muster: Der Auftrag kommt, die Kalkulation wird als Bestellgrundlage genommen, der Einkauf bestellt die Gesamtmengen beim günstigsten Lieferanten. Das Problem dabei: Die Bestellung hat keinen Bezug zum Terminplan.
Material für den dritten Bauabschnitt wird gleichzeitig mit dem Material für den ersten bestellt. Teile, die erst in sechs Wochen gebraucht werden, liegen ab Tag eins auf der Baustelle oder im Lager. Gleichzeitig fehlt eine Sonderlösung, die erst bei der Detailplanung sichtbar wird. Die Folge: Eine Expressbestellung mit 10 Prozent Aufpreis und zwei Tage Montagestillstand.
Der Grund für dieses Muster: Die Materialbestellung wird als einmaliger Vorgang verstanden, nicht als projektbegleitender Prozess. Und die Arbeitsvorbereitung, die eigentlich den Terminbezug liefern müsste, existiert in vielen Betrieben nicht in der nötigen Tiefe.
Bestellung nach Bauabschnitten heißt: Jedes Montagepaket bekommt eine eigene Materialliste mit Mengen, Qualitäten und einem Bestelltermin, der sich aus dem Terminplan ableitet. Der Einkauf bestellt nicht alles auf einmal, sondern in Tranchen, die zum Baufortschritt passen.
In der Praxis sieht das so aus:
| Bauabschnitt | Material | Bestelltermin | Liefertermin | Freigabe durch |
|---|---|---|---|---|
| BA 1: Rohbauphase | Stahlprofile Hauptkonstruktion | KW 12 | KW 15 | Projektleiter |
| BA 2: Ausbau EG | Fassadenelemente, Dämmstoffe | KW 16 | KW 19 | Projektleiter |
| BA 3: Ausbau OG | Innenausbaumaterial, Beschläge | KW 20 | KW 23 | Projektleiter |
| BA 4: Abschlussarbeiten | Restmaterial, Sonderpositionen | KW 24 | KW 26 | Projektleiter |
Dieses Prinzip ist nicht kompliziert. Es erfordert lediglich, dass die Montagepakete definiert sind, bevor die Bestellung ausgelöst wird. Genau das ist eine Aufgabe der Arbeitsvorbereitung.
Ein Freigabekalender ergänzt die Bestellung nach Bauabschnitten um eine zeitliche Steuerung. Er zeigt auf einer Seite: Welche Bestellung muss bis wann freigegeben werden, damit das Material rechtzeitig auf der Baustelle ist?
Der Kalender berücksichtigt drei Variablen: den geplanten Montagebeginn, die Lieferzeit des Lieferanten und einen Puffer für Prüfung und Warenannahme. Wenn ein Lieferant sechs Wochen Lieferzeit hat, die Warenannahme drei Tage braucht und der Montagebeginn in KW 20 liegt, muss die Bestellung spätestens in KW 13 freigegeben werden.
Der entscheidende Punkt: Der Freigabekalender macht Versäumnisse sichtbar, bevor sie zum Problem werden. Wenn in KW 14 die Freigabe für eine Bestellung fehlt, die in KW 13 hätte rausgehen müssen, ist das ein Frühwarnsignal. Ohne Kalender fällt das erst auf, wenn das Material am Montagetag fehlt.
Praxistipp: Der Freigabekalender muss nicht digital sein. Eine Übersicht pro Projekt auf einer A3-Seite, an der Wand im Besprechungsraum, reicht völlig. Wichtig ist, dass er wöchentlich geprüft wird und jemand verantwortlich ist.
Material, das zu früh geliefert wird, braucht Lagerfläche. Auf vielen Baustellen ist Lagerfläche begrenzt. Das führt zu Umräumarbeiten, Beschädigungen und im schlimmsten Fall zu Diebstahl. Alles Kosten, die in keiner Kalkulation auftauchen.
Drei Regeln reduzieren dieses Problem:
Diese Regeln gelten besonders für Projekte im Bestand und in urbanen Lagen, wo Lagerfläche minimal ist. Bei Neubauprojekten mit ausreichend Platz ist die Herausforderung geringer, aber auch dort reduziert eine geordnete Logistik Suchzeiten und Beschädigungen.
Die Fehlmengenquote ist die ehrlichste Kennzahl für die Qualität der Materialdisposition. Sie misst: Wie viele der benötigten Materialpositionen waren bei Montagebeginn nicht verfügbar?
Die Messung ist einfach: Der Bauleiter oder Montagevorarbeiter notiert am ersten Montagetag jedes Bauabschnitts, welche Materialien fehlen. Nach drei Monaten und zehn Bauabschnitten ergibt sich ein belastbares Bild.
| Kennzahl | Berechnung | Zielwert | Typischer Ist-Wert |
|---|---|---|---|
| Fehlmengenquote | Fehlende Positionen / Gesamtpositionen je Bauabschnitt | Unter 3% | 8 bis 15% |
| Expressbestellungsquote | Expressbestellungen / Gesamtbestellungen | Unter 5% | 12 bis 25% |
| Materialüberschuss | Nicht verbautes Material nach Projektende in EUR | Unter 2% des Materialwerts | 4 bis 8% |
| Liefertermintreue | Pünktliche Lieferungen / Gesamtlieferungen | Über 90% | 70 bis 85% |
Die meisten Betriebe messen keine dieser Kennzahlen. Das liegt nicht daran, dass die Messung aufwändig wäre, sondern daran, dass niemand sie einfordert. Sobald der Geschäftsführer die Fehlmengenquote zur monatlichen Besprechung auf den Tisch legt, verändert sich das Verhalten.
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|---|---|---|---|
| Gesamtbestellung ohne Terminbezug | Kein Abgleich mit Terminplan | Material zu früh oder zu spät auf der Baustelle | Bestellung nach Bauabschnitten |
| Bestellung nur nach Preis | Einkauf optimiert Stückpreis, nicht Verfügbarkeit | Günstigster Lieferant liefert zu spät | Liefertermin als Vergabekriterium |
| Kein Freigabeprozess | Einkauf bestellt eigenständig | Falsche Mengen, Qualitäten oder Termine | Projektleiter gibt Bestellungen frei |
| Änderungen nicht zurückgemeldet | Planänderungen erreichen Einkauf nicht | Falsches Material bestellt | Änderungsprotokoll mit Einkaufsrelevanz |
| Keine Wareneingangskontrolle | Material wird ungeprüft angenommen | Fehllieferungen fallen erst bei Montage auf | Kurzprüfung bei Anlieferung: Menge, Typ, Beschädigung |
Gute Disposition endet nicht bei der Bestellung. Sie umfasst auch die Frage: Liefert der Lieferant zuverlässig? Viele Betriebe haben ein bis zwei Kernlieferanten, deren Lieferperformance nie systematisch bewertet wird. Solange es läuft, fällt das nicht auf. Wenn ein Lieferant drei Projekte hintereinander zu spät liefert, fehlen die Daten für ein belastbares Gespräch.
Ein einfaches Lieferantenprotokoll mit fünf Spalten reicht: Bestellnummer, Soll-Liefertermin, Ist-Liefertermin, Abweichung in Tagen, Auswirkung auf Montage. Nach einem Quartal hat der Einkauf eine Faktenbasis, die jedes Lieferantengespräch verändert.
Im Metallbau und in der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) ist die Disposition komplexer als im klassischen Ausbau. Die Gründe: längere Lieferzeiten (Profile, Sonderbauteile, Aggregate), höhere Einzelwerte und stärkere Abhängigkeit von Werkstattfertigung.
Für diese Gewerke gelten zusätzliche Regeln:
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