Bau Immobilien Beratung Über uns Ratgeber Kontakt Anliegen besprechen
Start/Ratgeber/Bautenstandsbericht für die Bank

Bautenstandsbericht für die Bank: Aufbau, Inhalte und Prüftiefe

Christoph Theißing 17. Mai 2026 9 Min. Lesezeit

Die finanzierende Bank gibt kein Geld ohne Nachweis. Bei Bauträgerfinanzierungen und größeren Projektfinanzierungen ist der Bautenstandsbericht das zentrale Instrument, mit dem die Bank prüft, ob die Mittelverwendung dem tatsächlichen Baufortschritt entspricht. Dieser Artikel beschreibt, was ein Bautenstandsbericht enthalten muss, wie er erstellt wird, welche Fehler die Auszahlung verzögern und warum die Qualität des Berichts direkten Einfluss auf die Liquidität des Projekts hat.

Was ein Bautenstandsbericht ist und wofür die Bank ihn braucht

Ein Bautenstandsbericht dokumentiert den tatsächlichen Fertigstellungsgrad eines Bauprojekts zu einem bestimmten Stichtag. Er wird von einem unabhängigen Sachverständigen oder Ingenieur erstellt und dient der finanzierenden Bank als Grundlage für die Freigabe von Kreditraten.

Die Bank hat ein klares Interesse: Sie will sicherstellen, dass das ausgezahlte Geld tatsächlich im Bauwerk steckt und nicht für andere Zwecke verwendet wurde. Gleichzeitig dokumentiert der Bericht, ob der Baufortschritt im Verhältnis zur Zeitplanung steht und ob Risiken erkennbar sind, die das Projekt gefährden könnten.

Bei Bauträgerfinanzierungen kommt eine zweite Dimension dazu: Die Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) schreibt in §3 vor, dass Kaufpreisraten von Erwerbern nur nach tatsächlichem Baufortschritt abgerufen werden dürfen. Der Bautenstandsbericht bestätigt, ob die MaBV-Raten korrekt sind.

Pflichtinhalte eines Bautenstandsberichts

Ein Bautenstandsbericht, der auf typische Anforderungen von Banken ausgerichtet ist, enthält mindestens diese Bestandteile:

Wie ein guter Bautenstandsbericht entsteht

Der Bericht basiert auf einer Ortsbegehung. Der Sachverständige besichtigt die Baustelle, vergleicht den Zustand mit den Planunterlagen und der Baukostenaufstellung und bewertet den Fertigstellungsgrad jedes Gewerks.

Vier Schritte sind entscheidend:

Bautenstandsbericht für Ihre Finanzierung benötigt?

Wir bereiten Bautenstandsberichte strukturiert für Bankgespräche und Mittelabrufe auf. Umfang, Prüftiefe und Berichtsrhythmus werden mit den Anforderungen der Finanzierung abgeglichen.

Projektcontrolling für Banken

Typische Fehler, die die Auszahlung verzögern

In der Praxis sehen wir regelmäßig Verzögerungen bei der Mittelfreigabe, die auf mangelhafte Bautenstandsberichte zurückzuführen sind. Die häufigsten Ursachen:

MaBV und Bautenstandsbericht: der Zusammenhang

Bei Bauträgerfinanzierungen hat der Bautenstandsbericht eine zusätzliche Funktion: Er dokumentiert, ob die Ratenabrufe nach MaBV korrekt sind. Die MaBV definiert sieben Raten, die an bestimmte Fertigstellungsgrade geknüpft sind (z.B. 30 Prozent nach Rohbaufertigstellung, weitere Raten nach Herstellung der Dachflächen, Rohinstallation und so weiter).

Wenn der Bautenstandsbericht feststellt, dass der Rohbau fertig ist, darf der Bauträger die entsprechende Rate vom Erwerber abrufen. Stellt der Bericht dagegen fest, dass der Rohbau erst zu 80 Prozent steht, darf die Rate noch nicht abgerufen werden. Ein falscher Ratenabruf ist ein Verstoß gegen die MaBV und kann die Baugenehmigung und die Zuverlässigkeit des Bauträgers gefährden.

Häufigkeit und Kosten

Die Häufigkeit des Bautenstandsberichts wird im Kreditvertrag vereinbart. Üblich sind monatliche Berichte während der aktiven Bauphase. In der Planungsphase oder bei Baustillstand reicht ein vierteljährlicher Rhythmus.

Die Kosten trägt in der Regel der Kreditnehmer. Sie variieren nach Projektgröße und Komplexität. Für ein Wohnbauprojekt mit 20 bis 50 Einheiten liegen die Kosten pro Bericht bei 1.500 bis 4.000 Euro. Bei großen oder komplexen Projekten können es bis zu 10.000 Euro pro Bericht sein. Diese Kosten sind Projektnebenkosten und sollten von Anfang an im Budget eingeplant werden.

Praxistipp: Klären Sie mit der Bank vor Projektbeginn, welche Anforderungen sie an den Bautenstandsbericht stellt: Format, Prüftiefe, Gewichtung der Gewerke, Berichtszyklus. Wenn diese Punkte im Vorfeld abgestimmt sind, gibt es bei der Mittelfreigabe keine Verzögerungen durch Rückfragen.

Häufige Fragen

In der Regel beauftragt die finanzierende Bank einen unabhängigen Sachverständigen oder Ingenieur. Alternativ kann der Bauherr oder Projektentwickler einen qualifizierten Dritten vorschlagen; ob die Bank diese Stelle akzeptiert, entscheidet sie selbst. Entscheidend ist die Unabhängigkeit: Der Ersteller darf nicht gleichzeitig am Projekt als Planer oder Ausführender beteiligt sein.

Die Häufigkeit hängt vom Kreditvertrag und der Projektphase ab. Üblich sind monatliche Berichte bei aktiver Bautätigkeit. In kritischen Phasen (Rohbau, TGA-Installation) kann die Bank auch zweiwöchentliche Berichte verlangen. In ruhigen Phasen (Baugenehmigungsphase, Winterpause) genügt ein vierteljährlicher Rhythmus.

Bei relevanten Abweichungen wird die Bank in der Regel zusätzliche Erläuterungen, Unterlagen oder Maßnahmen verlangen. Ob und wie sich das auf Mittelabruf, Sicherheiten oder Kreditbedingungen auswirkt, hängt vom Vertrag und der Entscheidung der Bank ab.

Häufig verlangen Banken eine externe Einschätzung, weil der Bericht eine neutrale Sicht auf den tatsächlichen Bauzustand liefern soll. Ob ein interner Bericht ausreicht, entscheidet die finanzierende Bank anhand ihrer Anforderungen.

Die Kosten hängen von Projektgröße, Prüftiefe, Begehungsumfang, Berichtsrhythmus und Abstimmungsbedarf ab. Der Umfang sollte vor Beauftragung mit den Anforderungen der Bank abgeglichen werden.

Die Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) regelt in, wann ein Bauträger Kaufpreisraten von Erwerbern einfordern darf. Ein Bautenstandsbericht kann den Fertigstellungsgrad dokumentieren und dadurch die fachliche Grundlage für die Prüfung von Ratenabrufen verbessern. Die rechtliche Würdigung bleibt gesondert zu klären.

Der Bautenstandsbericht fokussiert auf den physischen Baufortschritt und ist primär ein Instrument der Finanzierungskontrolle. Er dokumentiert, welcher Anteil der Bauleistung tatsächlich erbracht ist und ob die Mittelverwendung zum Stand passt. Ein Projektstatusbericht ist umfassender und beinhaltet zusätzlich Terminentwicklung, Kostenprognose, Vertragsstatus und strategische Risiken.

Projektfinanzierung mit strukturiertem Baucontrolling begleiten?

Wir erstellen Bautenstandsberichte und bereiten Kosten-, Termin- und Leistungsstände nachvollziehbar für Finanzierungsgespräche auf.

Projektcontrolling für Banken

Weiterführende Artikel

Hinweis: Schneider Theißing GmbH bietet technische Ingenieurberatung und unabhängiges Projektcontrolling für Banken und Projektentwickler. Steuerliche und rechtliche Einordnung erfolgt durch die jeweiligen Fachberater. Diese Inhalte ersetzen keine individuelle Fachberatung.

Christoph Theißing

Christoph Theißing ist Geschäftsführer der Schneider Theißing GmbH. Bauingenieur und Unternehmensberater mit Schwerpunkt auf Projektsteuerung, Baucontrolling und Finanzierungsbegleitung für Banken und Projektentwickler.

Hinweis zur Einordnung: Diese Inhalte ersetzen keine projektbezogene Prüfung, Rechtsberatung oder Steuerberatung. Sie strukturieren technische und wirtschaftliche Fragen für die nächste Entscheidung.

Einordnung für Ihr Projekt benötigt?

Wenn aus dem Beitrag ein konkreter Prüf- oder Beratungsbedarf entsteht, ordnen wir Anlass, Unterlagenlage und den sinnvollen nächsten Schritt ein.

Anliegen besprechen Fachliche Einordnung · Direkt mit der Geschäftsführung